Einige Themen, die uns im Kurs 2005/2006 interessiert haben

"Rand des Universums"

von Jon Schmidt

Finsternisse

von Linda Mille

Stardust-Mission

von Simon Weingärtner

Oppositionen von Saturn und Jupiter

Von Stephan Geber

Mars Reconnaissance Orbiter

Von Christopher Schulze

Pluto-Sonde "New Horizons"

Von Michael Heptner

Venus-Sonde "Venus Express"

Von Maximilian Hötger

Cassini untersucht Saturnmonde

Von Julia Schadler

 

 

Allgemeine Gedanken zum Jahr 2006: Für uns war das Jahr 2005 insbesondere wegen der Marsopposition interessant (und wegen deren Fotografie sehr arbeitsreich), aber das ist nun vorbei. 2006 gibt es kein von Deutschland aus sichtbares besonderes Ereignis, auch der sehr seltenen Merkurtransit am 8/9 November ist für uns nicht beobachtbar. So können wir uns wieder den "wichtigen" astronomischen Fragen zuwenden.  So zum Beispiel der Frage, wo denn der "Rand des Universums" tatsächlich liegt. Dringt man mit modernen Teleskopen immer weiter in den Raum vor, so ist dies bekanntlich wegen der Laufzeit des Lichtes gleichzeitig eine Zeitreise in die Vergangenheit, und wie der folgende Beitrag zeigt kann man durch gezielte Nutzung dieser Zeitmaschine versuchen, den Anfängen unseres Universums auf die Spur zu kommen.

Auch mit der weiteren Erforschung des Sonnensystems sind im Jahre 2006 viele Missionen beschäftigt. Mit Spannung wird die Landung der Kometensonde Stardust erwartet. Die Sonde Cassini liefert eine Flut von Daten aus dem Saturnsystem mit seinen geheimnisvollen Monden, um den Mars kreisen mehrere Orbiter, und die dort gelandeten Rover "Spirit" und "Opportunity" haben mittlererweile viele Kilometer auf dem roten Planeten zurückgelegt, und dabei die ursprünglich eingeplante Lebensdauer bereits weit überschritten. Falls sie den Marswinter heil überstehen, werden sie auch 2006 weiter Daten und Bilder liefern.  Wenige Monate vor der Marsopposition ist auch ein günstiger Moment zum Start neuer Marsmissionen, und so ist zum Beispiel der Mars Reconnaissance Orbiter auf dem Weg, der Anfang März am Ziel ankommen wird. Die Venus-Sonde Venus Express wird bei Venus ankommen, und die Pluto-Sonde New Horizons Wird nun wohl endgültig auf den Weg gebracht. Auch 2006 wird ein hoffentlich spannendes und ereignisreiches Jahr für die Erforschung des Weltalls werden.

 

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Finsternisse 2006


 

Finsternisse im Jahr 2006:  Wie durchschnittlich üblich finden auch in diesem Jahr zwei Sonnenfinsternisse und zwei Mondfinsternisse statt. Eine Sonnenfinsternis ist total, die andere ringförmig. Die totale Finsternis ist von Deutschland aus gesehen nur partiell, die ringförmige ist von Deutschland aus überhaupt nicht zu sehen. Die erste Mondfinsternis ist eine Halbschattenfinsternis und daher uninteressant,  die zweite ist partiell (19% Eintritt in den Kernschatten),  und von Europa aus nur schlecht zu sehen. Dieses Jahr ist also in Bezug auf Finsternisse nicht sehr produktiv, was den großen Vorteil hat, das wir nicht auf schlechtes Wetter hoffen müssen, um uns viel Arbeit zu ersparen.

Links haben wir Bilder von Schatten, die durch die Blätter eines Baumes auf einer Wand entstehen. Dabei wirken die "Löcher" zwischen den Blättern wie Lochkameras, und bilden die Sonne ab. Normalerweise sind die entstehenden Bilder rund, bei einer Finsternis gibt es jedoch sichelförmige Bilder der teilweise verdeckten Sonnenscheibe (rechte Hälfte des Bildes), oder bei einer ringförmigen Finsternis ringförmige Sonnenbilder im Schatten (linke Hälfte des Bildes).

Diese Schatten tragen sehr zu der unwirklichen, leicht gespenstischen Stimmung bei einer Finsternis bei. Im normalen Leben haben wir uns völlig unbewusst an die runden hellen Flecken in den Schatten gewöhnt, tritt hier auf einmal eine Änderung auf, so wird die normalerweise unbewusst entstehende Empfindung erheblich gestört.

Beachtet man auch noch andere Veränderungen gegenüber der "normalen" Umweltempfindung, wie den heranrasenden Kernschatten des Mondes, den plötzlich aufkommenden Wind, das schlagartige Absinken der Temperatur, das veränderte Verhalten der Vögel, so ist die sehr merkwürdige, für viele Beobachter sogar leicht Angst einflößende Stimmung bei einer totalen Finsternis leicht verständlich!

 

Genauere Information zu den Finsternissen:

 

Halbschattenfinsternis des Mondes in der Nacht zum 15 März: Da der Erdschatten recht groß ist, dauert eine Mondfinsternis sehr lange. Der Eintritt des Mondes in den Halbschatten der Erde ist kaum feststellbar, weil sich die sehr helle Mondscheibe dabei für das Auge kaum nennenswert verdunkelt. Erst beim Eintritt in den Kernschatten wird die Mondscheibe "angeknabbert", bis der Mond voll im Kernschatten verschwunden ist. Da der Mond bei obiger Finsternis nicht in den Kernschatten eintritt, ist sie uninteressant, wir können zwischen 22.23 MEZ und 03.10 MEZ also beruhigt im Bett bleiben!

Partielle Finsternis des Mondes vom 07. September:  Bei  dieser Finsternis verschwinden ganz magere 19% des Mondes im Kernschatten der Erde. Da der Mond in Europa erst nach Beginn der Finsternis aufgeht, und das Maximum bereits um 20.52 MESZ bei ganz flach über dem Horizont stehendem Mond eintritt, ist es einleuchtend, dass uns dieses Ereignis mangels Sichtbarkeit nicht vom Hocker reißt.

Totale Finsternis der Sonne vom 29. März: Der Mondschatten verläuft von Brasilien über den Atlantik, über Afrika in die Türkei. Hier ist die Finsternis optimal beobachtbar, mit einer extrem langen Dauer von über vier Minuten! Mehr als vier Minuten  wird der Himmel dunkel, und Korona, Protuberanzen und Sterne werden sichtbar. Wir wünschen den Türken gutes Wetter, bei uns ist diese Finsternis nur partiell zu sehen. In München beginnt sie um 011.40 MESZ, erreicht das Maximum mit 38% Bedeckung um 12.45 MESZ, und endet um 13.45  MESZ. Wer die Finsternis unbedingt total erleben will sollte in die Türkei reisen, die nächste gut erreichbare Möglichkeit ergibt sich erst 2009 in Indien und China, sowie 2010 in Afrika!

Ringförmige Finsternis der Sonne vom 22. September:  Diese Finsternis beginnt an der Nordküste Südamerikas und überquert dann den Südatlantik ohne noch einmal Festland zu berühren. Von Europa aus ist diese Finsternis nicht einmal partiell zu beobachten. Interessant ist die extrem lange Phase der Ringförmigkeit von über 7 Minuten(!). Dies erklärt sich dadurch, dass der Mond zum Zeitpunkt der Finsternis seine größte Entfernung von der Erde hat, und somit unter einem sehr kleinen Durchmesser erscheint.

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Oppositionen von Jupiter und Saturn 2006


 

Oppositionen gibt es bei Planeten, die ihre Bahnen außerhalb der Erdbahn haben. In der Opposition stehen die Planeten besonders dicht an der Erde, und der Sonne genau gegenüber, d.h. wenn die Sonne im Westen untergeht, geht der Planet im Osten gerade auf. Diese Stellung ergibt sich immer, wenn die Erde den Planeten auf ihrer innen gelegenen Bahn "überholt". Weil sich Jupiter und Saturn sehr viel langsamer als die Erde um die Sonne drehen, gibt es Oppositionen in Abständen von etwas mehr als einem Jahr. Mars bewegt sich schneller, und läuft der Erde davon, deshalb braucht die Erde fast zwei Jahre, um Mars einzuholen, eine Opposition ist nach 2005 daher erst wieder 2007 zu erwarten.

 

Oppositionen sind für die Beobachtung der Planeten interessant, weil der Abstand von der Erde dann am geringsten ist, und der Planet um Mitternacht am höchsten am Himmel steht. Je höher der Planet am Himmel steht, desto geringer ist der Einfluss der Luftunruhe auf das Bild des Teleskops. Deshalb sind auch die Oppositionen am besten, bei denen der Planet ohnehin eine große Höhe am Himmel erreicht! Dabei ist auch der Winter ungünstiger als der Sommer, da generell die Luft im Winter unruhiger ist, als bei einem langen, stabilen Hoch im Sommer. Die klarere Luft im Winter ist für Planetenbeobachtung nicht so entscheidend, wie zum Beispiel für die Beobachtung von lichtschwachen Nebeln......

 

Wir werden versuchen, auch 2006 Bilder von Saturn und Jupiter einzufangen, falls das Wetter und andere Umstände uns keinen Strich durch die Rechnung machen. Bei Jupiter stehen die Chancen aber schlecht. Er steht am Himmel so niedrig, dass eine Fotografie wegen der Luftunruhe kaum möglich sein wird. Man könnte meinen, das sei langweilig, aber es gibt immer interessante Änderungen zu beobachten. So klappt Saturn seinen Ring langsam wieder ein, und auf Jupiter ändern sich Farbe und Form der Wolkenbänder von Jahr zu Jahr erheblich. Auch der große rote Fleck, ein geheimnisvoller Wirbelsturm von Erdgröße, war zeitweise gar nicht so rot wie sonst üblich.....

 

Saturnopposition 2006 ist in der Nacht vom  27. auf den 28. Januar, die maximale Höhe über dem Horizont beträgt in mittlern Breiten etwas weniger als 60 Grad, was bezüglich Luftunruhe ein guter Wert ist. Der Durchmesser des Saturns (ohne Ring) beträgt dann am Äquator 20,4 und am Pol 18,5 Winkelsekunden. Die verschiedenen Durchmesser ergeben sich, weil Saturn wegen seiner schnellen Rotation stark abgeplattet ist. Die Entfernung von der Erde beläuft sich auf 1216.000.000 Kilometer. Einige Bilder der Saturn-Opposition 2006 gibt es hier.

Jupiteropposition 2006: Datum ist der 4. Mai, die maximale Höhe über dem Horizont beträgt in mittlern Breiten grob 30 Grad, was bezüglich Luftunruhe ein sehr schlechter Wert ist. So schöne Bilder wie bei der 2005er Opposition (s. oben) wird es also kaum geben, obwohl auch hier der Planet keinesfalls sehr günstig stand. Der Äquator-Durchmesser des Jupiters  ist dann ca. 44,7 Winkelsekunden, seine Entfernung von der Erde 660.000.000 km, eine Strecke, für die das Licht bei 300.000km/s etwa  37min benötigt. Wir beobachten Jupiter bei der Opposition also immer 37 min in der Vergangenheit!

 

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