Astronomie ist eine faszinierende Beschäftigung für Jung und Alt,


und so möchte im Zeitalter der modernen Großteleskope und der Raumfahrt auch das Humboldt-Gymnasium seinen Schülern dieses interessante und wichtige Gebiet nicht vorenthalten. Über die Anfänge der Astronomie in unserem Haus und die erheblichen damals zu bewältigenden Probleme gibt die unten angehängte Ansprache Auskunft, die damals anlässlich der offiziellen Einweihung des Schulteleskops im Beisein von Presse und Sponsoren gehalten wurde. Der Astronomie-Bereich der Homepage wird sich so lange im „kreativen Aufbauzustand" befinden, bis wir einen kleinen Überblick über einige interessante Gebiete der Astronomie geschaffen haben. Ziel ist es auch zu zeigen, was im Bereich der Hobby-Fotografie mit relativ einfachen Mitteln (also nicht mit extrem teuren Kameras) erreicht werden kann. Ob die Arbeit mit Erreichen dieser Ziele in einigen Jahren erfolgreich abgeschlossen werden kann, wird sich zeigen! Doch nun zurück zu unseren Aktivitäten:

 

Im regulären Physik-Unterricht ist Astronomie leider nur beschränkt möglich, im Bereich der Mechanik werden jedoch Umlaufbahnen von Satelliten berechnet, in der Optik wird das Fernrohr besprochen. Bei diesen Gelegenheiten sind die Schüler für einen kurzen Exkurs in die Astronomie dankbar.

 

Im Grundkurs Physik K13 gab es einen Lehrplan für Astronomie, der wahlweise die „normale“ Physik ersetzte. Einem solchen sehr engagierten Grundkurs sind viele Referate zu verdanken, die noch heute im Unterricht verwendet werden.

 

Im Leistungskurs Physik ist gelegentlich die Möglichkeit gegeben, astronomische Themen zu besprechen. Speziell aber bei der Facharbeit können solche Themen bearbeitet werden, sofern sie einen genügend anspruchsvollen theoretischen „Anhang“ aufweisen. So hat ein LK geschlossen nur astronomische Themen behandelt, die Ergebnisse wurden vom Kursleiter aufbereitet und gedruckt. Auszüge aus diesen Arbeiten sollten später hier dargestellt werden.

 

Das Wahlfach Astronomie ist die zwangloseste Form astronomischer Beschäftigung. Interessierte Schüler melden sich am Ende des Schuljahres zum zweistündigen Kurs an. Eine Stunde findet zu einer festen Zeit statt, die andere Stunde nach Vereinbarung zu zusätzlichen Arbeiten in der Schule und zum abendlichen Beobachten am Schulteleskop oder an noch erheblich größeren Geräten mit Videokamera und Computerunterstützung in Zorneding. Dabei sind auch Eltern herzlich eingeladen.

 

Astronomie als Hobby: Für alle interessierten Schüler und Eltern steht die Schule gerne zur Beratung zur Verfügung, auch wenn die Kinder nicht im Wahlfach Astronomie tätig sind. Eine kurze Einführung in die erforderlichen Geräte (Teleskope) und astronomische Beobachtungstechniken sowie Astrofotografie ist für die Homepage vorgesehen.

 

 


Offizielle Ansprache zur Einweihung des Schulteleskops


Endlich war es so weit! Erstmals bot sich den Schülern in dem ohnehin schon breit gefächerten schulischen Angebot die Möglichkeit einen Astronomiekurs in der K13, und eine Astronomie-Arbeitsgemeinschaft für Mittel und Oberstufe zu belegen. Mit Pioniergeist und Elan stürzten sich die Beteiligten auf den neuen Stoff, und schon bald lief alles wie geplant.

Zunächst hatte das allerdings ganz anders ausgesehen: War doch das Experiment "Astronomie" mit enormer Vorleistung für die Einarbeitung in ein völlig neues, anspruchsvolles  Stoffgebiet verbunden! Und was ist Astronomie ohne ein Teleskop, ein "richtiges" versteht sich, das auch etwas höheren Ansprüchen genügt? Mit dem Billigangebot, in dem beim Schütteln die bekannte Kaffeebohne rasselt (Tschibo möge uns verzeihen), ist es da nicht getan! Und wer zahlt die Erstausstattung an Lehrmitteln? Die Schule konnte die Kosten im Zeitalter der Etatkürzungen nicht voll tragen.

Los ging also die "Betteltour" bei den Banken. Einmal Nichts, zweimal Nichts, dreimal Nichts! Ein klares "Nein" wäre ja noch verständlich gewesen, doch leider wurden wir bei allen Instituten auf äußerst dubiose Weise "abgefertigt". Zuletzt blieb nur noch die Sparkasse, ob sich der Anruf überhaupt lohnt? Und das Wunder geschah! Unbürokratisch und prompt erhielten wir stolze DM 3000,- zugesagt. Angenehm aufgefallen ist dabei auch der Umgang mit unserem Anliegen, nicht das -übrigens ganz legitime- Interesse an einer gewissen Werbung schien im Vordergrund zu stehen, sondern es war der Wunsch zu spüren, uns bei unserem Projekt tatkräftig zu fördern! Ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle auch auch dem Elternbeirat unserer Schule, der mit weiteren 1500 DM die Anschaffung des Teleskops endgültig sicherte, und auch dem Direktorat, das sich ebenfalls wohlwollend zu Gunsten des Astronomie-Projekts engagierte.

Da die im Massenmarkt vertriebenen Teleskope nicht immer eine perfekte, und auch stark streuende Qualität bieten, war es ein glücklicher Umstand, dass ein zuvor optisch und mechanisch ausgiebig getestetes MEADE LX 200 angeschafft werden konnten. Das Gerät ist voll computergesteuert, nach einmaliger Eingabe von Zeit, Datum und Koordinaten des Beobachtungsortes können 64 000 astronomische Objekte auf Knopfdruck angefahren werden. Das Rohr ist als Schmidt-Cassegrain ausgeführt, und hat dadurch eine extrem kompakte Bauweise, sowie einen völlig gegen Staub geschützten, abgeschlossenen Tubus. Die raffinierte Elektronik macht das zeitraubende, genaue Ausrichten des Teleskops vor jeder Beobachtungssitzung unnötig, nach dem Einschalten muss lediglich ein einziger bekannter Stern angefahren werden. Mit einer Öffnung von 20cm bei 2m Brennweite ist das Teleskop auch ausreichend lichtstark. Der Astronom wünscht sich natürlich so viel Licht wie möglich, doch wäre der Einsatz eines größeren Teleskops wegen der fast ganzjährigen, enormen Luftverschmutzung in Deutschland nur an ganz wenigen Tagen im Jahr sinnvoll. Einige der zu Testzwecken aufgenommenen Astro-Fotografien von Mond, Kometen und Nebeln konnten bereits im Rahmen eines Astronomievortrags am Tag der offenen Türe der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Bis auf Mond, Sonne und Planeten sind die Objekte sehr lichtschwach, das heißt: Fernrohr zusammenpacken, und raus aus der luftverpesteten Stadt, möglichst hoch ins Gebirge, und möglichst im Winter, da ist die Luft erheblich sauberer. Während der Belichtungszeit, die für ein einziges Bild bis zu 4 Stunden betragen kann, muss das Rohr präzise punktgenau nachgeführt werden, was eine ständige Kontrolle und Korrektur der Elektronik erfordert. So erfordert jede einzelne Belichtung eine mehrstündige, nächtliche Arbeit bei Temperaturen weit unter Null, unerbittlich und brutal kriecht derweil die Kälte durch die dicksten Daunenjacken, und kommt man im Morgengrauen übermüdet mehr tot als lebendig nach Hause, so war die Arbeit oft umsonst, denn erst nach vielen Versuchen ist ein wirklich brauchbares Bild "im Kasten".

Eisige Kälte unter einem tiefschwarzem Himmel, über uns das silberne Band der Milchstraße, nur das leise Summen der Elektronik dringt an unser Ohr, und wenn wir im beginnenden Morgengrauen im wohlig warmen Auto über die menschenleere Autobahn nach Hause gleiten, sind unsere Gedanken noch hoch oben am Berg, und wir wissen, dass wir diese Nächte nie vergessen werden!

Doch nun zurück zum Unterricht! In der Arbeitsgemeinschaft beschlossen die Schüler, den besprochenen Stoff in Form eines kleinen Buchs zu verewigen, der Grundkurs K13 wollte dabei natürlich auch nicht abseits stehen. Fleißig wurden Referate geschrieben, vom Kursleiter gesichtet, geprüft, und in nächtelanger mühsamster Arbeit mit selbst hergestellten Farbdrucken ergänzt. Gespannt wartete man, was als nächstes in der Ringbindung des kleinen Buchs landen würde, das dann am Ende garnicht mehr so klein war!

Nachdem Sonne, Planeten, Sterne und Galaxien besprochen waren, näherte man sich vorsichtig den heiklen Fragen: Wie ist das Universum entstanden? Sind wir alleine im Universum? Werden einst Menschen fremde Sterne besuchen? Können wir die Entstehung von Sternen noch berechnen, so stehen wir doch ratlos vor dem Mysterium des Urknalls, der unvorstellbaren Geburt des Alls aus einer punktförmigen Raumzeit-Singularität. Stellen sich mit jeder gelösten Frage nicht neue Fragen, die immer schwerer zu beantworten sind? Treiben wir im Universum nicht wie Plankton im unendlichen Ozean, unbedeutend, und unfähig auch nur die geringsten Zusammenhänge zu begreifen? Und selbst wenn es tatsächlich so wäre, müssen wir denn unbedingt die letzten Dinge verstehen, um uns an herrlichen, leuchtenden Gasnebeln, geheimnisvollen Kometen und fernen Galaxien zu erfreuen? Und wenn wir tatsächlich alleine wären im All, für ewig an unser Sonnensystem gefesselt, so sollten wir um so mehr die Schönheit und Einzigartigkeit unserer Erde erkennen, und sie wieder in das Paradies verwandeln, das Gott uns einst übergeben hat. Und sollte Friede auf der Erde einkehren, so können wir sicher sein, dass die Menschheit erst am Anfang eines langen, langen Weges steht. Wer hätte vor 100 Jahren unsere heutige Technik vorhergesehen? Werden wir die Physik der höheren Dimensionen erlernen, die uns einen Weg in das Universum bahnen könnte, gelöst von den Fesseln des vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuums? Wird einst eine in der Evolution weit fortge­schrittene Menschheit in friedlicher Koexistenz mit außerirdischen Zivilisationen die Dimensionen durchmessen?

Die Antwort auf diese Fragen kennen wir nicht, doch wenn die Sonne langsam unter dem Horizont versinkt, und die hellsten Sterne den Beginn einer langen, klaren Nacht verkünden, werden wir in froher Erwartung unsere Teleskope aufbauen. Fernen Sternen werden wir einen Besuch abstatten, gleich Astronauten gleiten wir über die Oberfläche des Mondes. Das Licht zerfaserter Nebel, das vom Ende oder vom Beginn eines Sternes kündet, erreicht unser Auge, Sternhaufen wie Diamanten funkelnd und fremde Galaxien werden uns faszinieren, während wir den Alltag auf einem winzigen, blauen Planeten zurücklassen.

 


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